Tipps & Infos von Hundehaltern für Hundehalter

Es gibt Phasen im Leben eines Hundes, da ist er empfänglicher für solche Geräusche. Während der Welpenzeit, aber auch in der hormonintensiven Jugendentwicklung  gibt es immer wieder Angstphasen, in denen Hunde sehr viel sensibler auf bestimmte Geräusche reagieren können. Auch ältere Hunde neigen dazu, plötzlich Ängste gegenüber bestimmten Geräuschen zu entwickeln.

 Wenn der Hund erstmal unter Geräuschangst leidet, wird es sehr anstrengend und trainingsintensiv, um über diese wieder Herr zu werden. Eine lange Zeit der Gegenkonditionierung und Desensibilisierung besteht bevor.

Geräuschangst zieht Kreise

Das Problem mit der Geräuschangst ist, dass sie weite Kreise ziehen kann. Hatte der Hund erst nur Angst vor dem Schuss, hat er vielleicht bald auch Angst, einen bestimmten Weg zu gehen oder verbindet plötzlich bestimmte Witterungsverhältnisse, Menschen oder andere Objekte mit der Angst.Die Angst wächst schon Tage vor Silvester

Bei Silvester sind die vereinzelten Böller, die schon Tage zuvor losgehen, Ankündigungen für die große Ballerei um Mitternacht. Alle Aktionen, die man zur Vorbereitung an Silvester trifft, können den Hund schon in entsprechende Alarmbereitschaft bringen. Sogar eintreffender Besuch kann für den Hund die Ankündigung der Knallerei werden, und so ist es nicht selten, dass Hunde schon Tage zuvor nervös, gereizt oder depressiv herumlaufen oder sich verkriechen, nicht mehr fressen, aggressiv, teilnahmslos oder gar panisch werden. Der Hund erleidet in dieser Zeit größten Stress, denn er steckt in einer Misere, aus der er nicht herauszukommen weiß. Er findet keine Lösung für sein Problem, denn der einzelne Böller ist nicht vorhersehbar, so dass er in ständiger Erwartung des ängstigenden Geräuschs lebt. Man kann sich vorstellen, wie schlimm das für den Hund sein muss! 

Jetzt ist der Mensch gefragt! Denn es liegt an ihm, seinem Hund aus dieser auswegslosen Situation herauszuhelfen. Es liegt an ihm, dem Hund zu zeigen: "Bei mir bist du sicher! Bei mir geschieht dir nichts! Bei mir findest du den Schutz, den du suchst! Ich helfe dir, diese gruselige Situation durchzustehen!"

 

Ignorieren hilft NICHT gegen Angst! 

Auch, wenn man es heute leider immer noch oft hört und liest: TROST WIRKT NICHT ANGSTVERSTÄRKEND! Wer Kinder hat, weiß, dass er ihnen nicht hilft, indem er sie mit ihrer Angst allein lässt gemäß dem Motto, "Sieh zu, wie du damit klar kommst!", sondern dass er ihnen Unterstützung anbieten sollte, ihre Angst in den Griff zu bekommen, indem er ihnen das Gefühl von Sicherheit gibt und tröstende Worte wählt.

Angst ist etwas höchst irreales und durch pure Vernunft nicht therapierbar. Es nützt meist nichts, dem Kind zu sagen "Du brauchst keine Angst zu haben", die Angst wird trotzdem bleiben. Was aber hilft ist, dem Kind zu signalisieren, dass es nicht allein ist. Dazu können auch körperliche Nähe, das Umarmen und schützende Gebärden ihren Beitrag leisten.

 

Social Support hat sich in der Evolution bewährt

Bei Hunden ist dies genau das gleiche! Wir sind alle Säugetiere und reagieren in ängstigenden Situationen gar nicht unähnlich. Wir alle können in Panik geraten und kopflos herumrennen, andere Lebewesen hingegen können enorm dazu beitragen, dass wir die Angst vielleicht nicht überwinden, aber viel besser durchstehen können! Dass Angst durch Trost verstärkt wird, ist NICHT möglich!

Im Gegenteil: In der Biologie "Social Support" genannt, hat dieser sich evolutionstechnisch bewährt, sonst wäre er längst ausgestorben. Tiere in freier Natur pressen sich bei Gewitter oder in anderen ängstigenden Situationen eng aneinander, weil es sie tröstet und weil sie ihre Angst damit besser im Zaun

halten können. Sie durchstehen die Situation leichter, als wenn sie allein mit ihrer Angst umherirren müssten.

 

Zusammen ist man weniger allein :)

Überlasst eure Hunde also nicht sich selbst! Wäre es nicht toll, dass sie lernten, dass sie nicht flüchten müssen, sondern dass sie vielmehr Schutz bei euch suchten? Wenn der Hund also eure Nähe sucht - gewährt sie ihm! Denn so habt ihr ihn unter Kontrolle und ganz nebenbei zeigt er euch, wie sehr er euch vertraut!

Möchte der Hund lieber in seinem Körbchen oder in der sicheren Box liegen - dann lasst ihn! Es wäre hilfreich, wenn sein Rückzugsort in eurer Nähe bzw. Sichtweite wäre.

Versucht ihm zu zeigen, dass er nicht allein ist und er zu euch kommen kann, wenn ihm danach ist. IGNORIERT IHN NICHT!!! Damit lernt er nur, dass er sich auf euch nicht verlassen kann. Er wird versuchen selber einen Ausweg zu finden, was ihm häufig nicht gelingen kann. Oder er büxt aus. Er kann Unfälle verursachen, selber zu Schaden kommen oder für Tage oder länger herumirren mit nicht absehbaren psychischen Konsequenzen als Spätfolgen. Kein schöner Start ins neue Jahr!

 

Was kann man tun?

Ansonsten gibt es natürlich einige Maßnahmen, die ihr treffen könnt, um dem Hund Silvester so stressfrei wie möglich zu gestalten:

Lasst eure Hunde vor Silvester nicht ohne Leine laufen! Ein plötzlicher Knall kann den Hund zur Flucht animieren.

Verdunkelt die Fenster.

Thundershirt - Der Body, der einen konstanten leichten Druck auf den Torso ausübt, wirkt entspannend und schützend. Das Thundershirt sollte aber zunächst in entspannten Situationen angezogen werden, damit der Hund sich gut dran gewöhnt und positive Emotionen damit verknüpft.

Bietet sichere Rückzugsorte oder Zimmer, die ruhiger liegen.

Bleibt in der Nähe eures Hundes.

Bietet richtig hochwertiges Futter an, jedes Mal wenn ein Knall erfolgt. So habt ihr bei den Hunden, die in dieser Situation noch fressen können, die Möglichkeit, gleich mit der  Gegenkonditionierung zu beginnen.

Gebt dem Hund etwas zu fressen, mit dem er länger beschäftigt ist (z. B. einen Kauknochen). Kauen hat ebenfalls eine beruhigende Wirkung.

Lasst Entspannungsmusik laufen.

Bietet ihm ein Spiel an, lenkt ihn ab.

Lasst ihn Tricks durchführen, falls er dazu noch in der Lage ist. Denn das zwingt ihn, im Vorderhirn - der denkenden Gehirnhälfte - und somit ansprechbar zu bleiben.

Streichelt ihn ruhig, macht mit ihm Entspannungsübungen.

Lavendel hat beruhigende Wirkung. Ein paar Tropfen des Öls auf ein Halstuch getröpfelt kann schon beruhigend wirken. Ich würde jedoch vorher ausprobieren, ob der Hund darauf positiv reagiert! Man kann das Halstuch auch erstmal ins Körbchen legen und schauen, ob der Hund dorthin geht und sich dort gerne aufhält.

Adaptil als Spray oder für die Steckdose wirkt häufig sehr beruhigend, allerdings hauptsächlich bei Hunden, die eine "gute" Welpenzeit bei der Mutterhündin hatten, denn Adaptil beinhaltet Pheromone, die die Mutter beim Stillen absondert, was beruhigend wirkt und die Welpen davon abhält zu fest zuzubeißen.

L-Theanin-Kapseln haben ebenfalls beruhigende Wirkung. Eine halbe bis Stunde vorher verabreicht, wirken sie recht schnell und beruhigend. Ich würde bereits ein paar Tage vor Silvester dem Hund morgens und abends eine Dosis ins Futter mischen.

Sogenannte Mutt Muffs - ein Gehörschutz für Hunde - dämpfen die Lautstärke der Böllerei. Auch diese müssen vorher entsprechend positiv auftrainiert werden, damit sich der Hund damit wohl fühlt.

Über entsprechende Geräusch-CDs kann man die Hunde desensibilisieren. Der Vorteil hierbei ist, dass man über die Lautstärkeregelung natürlich schrittweise den Reiz erhöhen kann. Selbstredend muss man damit schon Wochen bis Monate vor dem Ereignis mit dem Training beginnen (und sich vorher schlau machen, wie man dies am optimalsten angeht).

Bei jedem Knall, wann immer der kommt - auch übers Jahr verteilt -, sollte man IMMER sofort eine Belohnung bereit haben, um dem Hund das Geräusch vorsorglich schön zu manipulieren. Mindestens verbales Lob bzw. beruhigende Worte sollten nach allen auffälligen Geräuschen folgen - auch, wenn der Hund so aussieht, als hätte er keine Probleme damit!

Zum Schluss bleibt als Tipp noch die Autobahnfahrt mit lauter Musik für die Härtefälle. Ich kenne einige Hundebesitzer, die sich jedes Jahr um Mitternacht herum auf leeren Autobahnen tümmeln oder sich auf eine einsame Hütte zurückziehen, weil ihre Hunde so leiden, dass nichts anderes mehr geht. Man  muss sich eben nur zu helfen wissen :)

 

 

 

 

Definition Hitzschlag

Bei einem Hitzschlag handelt es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung, ausgelöst durch Überwärmung des Körpers, infolge derer es zu Schock und Multiorganversagen und somit zum Tod des Tieres kommen kann. Ein Hund, der einen Hitzschlag erleidet, ist immer ein tiermedizinischer Notfall und muss in jedem Fall schnellstmöglich in tierärztliche Behandlung. Man unterscheidet zwischen dem klassischen Hitzschlag, der durch eine zu hohe Umgebungstemperatur ausgelöst wird und dem anstrengungsbedingtem Hitzschlag, der durch schwere körperliche Belastung entsteht. In beiden Fällen führt die massive Überschreitung der Wärmeabgabekapazität des Körpers zum Hitzschlag.

Es ist jedes Jahr das Gleiche. Wir Menschen freuen uns im Frühjahr undSommer über täglich länger währende Sonnenstunden und steigende Temperaturen. Für unsere vierbeinigen Freunde sind die Sommermonate jedoch weit weniger angenehm.Hunde sind sehr hitzeempfindlich und reduzieren bereits bei Außentemperaturen von ca. 22-25 C° ihre körperliche Aktivität und suchen im Freien Schattenplätze oder im Haus kühle Böden, wie z. B.Fliesen auf. Eine hohe Umgebungstemperatur ist für sie besonders gefährlich, da Hunde ihre Körpertemperatur, nicht wie wir Menschen,durch Schwitzen regulieren können. Durch ihr dichtes Fell und vor allem durch das Fehlen von Schwei.drüsen am Körper, können Hunde nichtschwitzen und so ihren Körper abkühlen. Die geringe Anzahl Schweissdrüsen an der Unterseite der Pfoten und am Nasenspiegel sind für eine effektive Thermoregulation bei weitem nicht ausreichend. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur durch direkte Wärmeabgabemittels Hecheln. Hierbei verdunsten Speichel und Sekrete derMaulschleimhäute und des Atmungstrakts, wodurch die angestaute Körperwärme nach außen abgegeben wird. Dies funktioniert aber auchnur solange dem Hund ausreichend Wasser zur Verfügung steht, um den beim Hecheln entstandenen Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen und die Wärmeaufladung des Körpers nicht die Wärmeabgabe durch Hecheln übersteigt. Schon ab einer Temperatur von ca. 28-30 C° reicht dieser Mechanismus nicht mehr aus und die Körpertemperatur beginnt zu steigen. Übersteigt also die Umgebungstemperatur die Kompensationsgrenzen des Hundes, kann es sehr schnell zum Hitzschlag kommen.Besonders gefährdet sind die sogenannten brachycephalen Rassen,also kurznasige Hunde wie z. B. Mops, englische und französischeBulldoggen oder Pekinesen. Durch ihre überwiegend stark verkürzten Nasen, die verkleinerten Nasenmuscheln mit verringerter Schleimhautoberfläche und die verengten Nasenlöcher ist die Fähigkeit zur Wärmeabgabe durch Hecheln reduziert. Eine tiermedizinische Studie aus Israel zur Untersuchung des Vorkommens von Hitzschlag bei Hunden hat zudem ergeben, dass neben den brachycephalen Rassenauch der Labrador Retriever, der Golden Retriever und der Malinois besonders gefährdet sind, einen Hitzschlag zu erleiden.

Neben den belastungsinduzierten Hitzschlägen durch langeSpaziergänge, Laufen am Fahrrad oder Hundesport bei hohen Umgebungstemperaturen oder in der prallen Sonne ist das Einsperren der Tiere im Auto bei direkter Sonneneinstrahlung mit Abstand der häufigste Grund für die meist tödlich verlaufenden Hitzschläge. Obwohl jedes Jahr aufs Neue sowohl die Bundestierärztekammer alsauch die Landestierärztekammern und die Tierärzteschaft eindringlich vor der „Hitzefalle Auto“ warnen, kommt es während der warmen Monate immer wieder zu grausamen Todesfällen durch ignorante Besitzer, dieihre Hunde „nur mal eben kurz“ im Auto gelassen haben, um mal schnell etwas einzukaufen oder kurz einen Kaffee zu trinken.in einer Pressemitteilung der Bundestierärztekammer findet Prof. Dr.Theo Mantel, Präsident der BTK, klare Worte: „Selbst für eine kurze Erledigung und wenn die Fenster etwas geöffnet bleiben, darf der Hund nicht im Auto bleiben“.Wie schnell die Situation im Wageninneren lebensgefährlich werden kann, haben Wissenschaftler der Universität Georgia/USA unter der Leitung von Prof. Andrew Grundstein eindrucksvoll gezeigt. Für die Versuche wurde ein PKW an 58 sonnigen Tagen zwischen Anfang April und Ende August um die Mittagszeit auf einen Parkplatz gestellt und die Innentemperatur im Verlauf gemessen. Diese lag bereits nach 5 Minuten Sonneneinstrahlung um 4 °C über der Außentemperatur, nach 10 Minuten war sie um 7 °C gestiegen, nach 30 Minuten um 16 °C und nach einer Stunde um 26 °C. Selbst bei frühlingshaften Außentemperaturen von nur 20 C° heizt sich ein Auto innerhalb einer halben Stunde auf 36 °C und nach 60 Minuten auf 46 °C auf. Ein Temperaturbereich also, in dem ein Hund seinen Wärmehaushalt definitiv nicht mehr regulieren kann und höchstgradig Hitzschlag gefährdet ist. Der Tod des Hundes tritt bei dieser Temperatur potenziell in weniger als einer Stunde ein. Bei Außentemperaturen von 34 °C ist nach 30 Minuten bereits eine Wageninnentemperatur von 50 °C und nach 1 Stunde von 60 °C erreicht.

 

Bei diesen Temperaturen ist klar, dass ein Schälchen Wasser und ein leicht geöffnetes Fenster absolut nutzlos sind. Auch beim Parken im Schatten wird die Temperaturentwicklung in der Regel unterschätzt. Die Sonne wandert schnell und bereits nach kurzer Zeit liegt der vermeintlich kühle Schattenparkplatz in der prallen Sonne. Ob aus Ignoranz, Unwissenheit oder einfach Dummheit: wer seinen Hund unter solchen Umständen auch nur kurz im Auto zurückl.sst, riskiert dessen qualvollen Tod und muss mit Konsequenzen rechnen. Nicht nur die Kosten für einen Rettungseinsatz von Feuerwehr oder Polizei werden dem Besitzer in Rechnung gestellt, er muss auch mit einer Strafanzeige wegen Tierquälerei rechnen. Nach §17 TierSchG droht dem Angeklagten im schlimmsten Fall eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Landesweit Beachtung und Zustimmung fand im Jahr 2007 ein Urteil des Amtsgerichts Neustadt. Die zuständige Richterin verurteilte einen 37 Jahre alten nicht vorbestraften Mann zu einem Jahr Haft ohne Bewährung sowie einem lebenslangen Tierhalteverbot, weil er seineDalmatiner Hündin bei sengender Hitze im Juni 2006 zwei Stunden in seinem Fahrzeug zurücklie., um einen Freund zu besuchen. Die Hündinverendete qualvoll in dem über 60 °C heißen Auto.

Was können Sie tun, wenn Sie einen Hund sehen, der bei Hitze bzw.direkter Sonneneinstrahlung im Auto eingesperrt ist?Auf keinen Fall Wegschauen!Halten Sie nach dem Besitzer Ausschau. Handelt es sich z. B. um einenSupermarktparkplatz oder um einen Parkplatz bei einer öffentlichen Veranstaltung (Hundeausstellung, Konzert etc.) dann lassen Sie denFahrzeughalter umgehend ausrufen. Ist es nicht möglich, den Besitzer auszurufen, benachrichtigen Sie Feuerwehr oder Polizei, die das Tier befreien kann. Befindet sich der Hund aber schon in akuter Lebensgefahr, muss er sofort befreit werden. Unter Berücksichtigung von §228 BGB (Notstand) und §34 StGB (Rechtfertigender Notstand) erscheint in einem solchen Fall das Einschlagen einer Fahrzeugscheibe durchaus angemessen, sofern das Hundeleben akut bedroht ist. Nichts desto trotz stellt das Einschlagen der Fahrzeugscheibe eine Sachbeschädigung dar und kann unter Umständen rechtliche Konsequenzen haben. Daher sollten Sie die Situation mit der Handykamera vorher kurz dokumentieren. Sollten Sie kein Handy dabei haben, ziehen Sie andere Passanten hinzu, die später als Zeugen über die Situation aussagen können. Und rufen Sie in jedem Fall trotzdem die Polizei hinzu! Zeigen Sie den Halter an!

Wie erkennen Sie einen Hitzschlag beim Hund?Die ersten klinischen Symptome einer Überhitzung stellen sich wie folgt dar:

- anhaltendes, starkes Hecheln

- evtl. vermehrter Speichelfluss

- Hautinnenseite der Ohren sind stark gerötet und heiß

- oft ist der Hals langgestreckt und die Zunge hängt weit heraus

- Unruhe, Nervosität bis hin zur Panik

Der Hund versucht durch das starke Hecheln verzweifelt seine Körpertemperatur zu senken. Er wird versuchen aus eigenem Antrieb einen kühlen, schattigen Platz aufzusuchen. Ist dies nicht möglich, weil er z. B. in der Sonne angebunden ist oder im Auto eingesperrt ist, wird sich sein Zustand dramatisch verschlechtern, es kommt zum Hitzschlag:

- die Atmung wird schneller und flacher (Tachypnoe)

- Herzrasen (Tachykardie) tritt auf

- starke Rötung (hellrot) der Schleimhäute und der Zunge

- das Tier wird zunehmend apathisch (teilnahmslos)

- zeigt taumelnde Bewegungen, Gleichgewichtsstörungen

- evtl. begleitet von Erbrechen und/oder blutigem Durchfall

- die Körpertemperatur steigt auf über 40 °C

- Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie)

Der Hitzschlag führt unbehandelt zum völligen Kreislaufkollaps. Das Tier befindet sich im Schockgeschehen:

- die Schleimhäute verfärben sich bläulich

- es kommt zu Zittern und Krämpfen, es folgen:

- Bewusstlosigkeit

- Koma

- Tod des Hundes

Erste Hilfe Maßnahmen

Ziel: Körpertemperatur des Hundes senken Kreislauf stabilisieren

1. Bringen Sie den Hund sofort an einen kühlen, schattigen Ort.

2. Beginnen Sie umgehend damit, den Hund abzukühlen.

Gehen Sie hierbei vorsichtig vor. Geeignet, um den Hund zu kühlen, ist frisches oder fließendes Wasser (Gartenschlauch oder Wasser aus Eimern). Wichtig dabei: Benutzen Sie kein eiskaltes Wasser! Dies würde zu einer Verengung der Hautblutgefäße führen, den Kreislauf zusätzlich belasten und die Wärmeabgabe sogar vermindern. Fangen Sie mit dem Kühlen an den Pfoten und den Gliedmaßen an und gehen Sie dann langsam weiter zum Körper (Unterbauch, Lendenbereich) und dann zum Nackenbereich. Auch eine zu schnelle Abkühlung belastet einen bereits angeschlagenen Kreislauf. Ebenfalls gut geeignet sind feuchte, kühle Handtücher, mit denen Sie den Hund abdecken. Wichtig hierbei ist: Auch unter den Handtüchern kann wiederum Wärme entstehen, sie müssen häufig gewechselt werden. Falls vorhanden, kann auch zusätzlich ein Ventilator (oder ein auf„kalt“ gestellter Fön) eingesetzt werden, um die warme Luft abzuleiten und den Körper zu kühlen.Wenn möglich, kontrollieren Sie die rektale Körpertemperatur mit einem handelsüblichen, digitalen Fieberthermometer alle 5 Minuten. Es ist wichtig, den Hund nicht unter die normale Körpertemperatur (38 – 39 °C) hinaus abzukühlen. Optimal ist eine Abkühlung des Hundes auf eine Körpertemperatur von 39,4 °C innerhalb von 30-60 Minuten. Danach sollte die aktive Kühlung beendet werden um eine Unterkühlung zu vermeiden.

3. Ist der Hund bei Bewusstsein, geben Sie ihm handwarmes Wasser zu trinken. Versuchen Sie jedoch niemals, einem bewusstlosen Tier oder im Bewusstsein stark eingeschränktem Tier Wasser einzuflößen. Der Hund muss selbstständig trinken.

4. Bringen Sie das Tier so schnell wie möglich zu einem Tierarzt! Stellen Sie sicher, dass die Praxis auch geöffnet hat. Informieren Sie den Tierarzt oder die Klinik, dass Sie unterwegs zu Ihnen sind und dass es sich sehr wahrscheinlich um einen Hitzschlag handelt. So können in der Praxis bereits Vorbereitungen getroffen werden, um ihr Tier bei Eintreffen sofort nottierärztlich zu versorgen.

Vor dem Transport: Autoinnentemperatur mittels Klimaanlage herunterfahren. Auf keinen Fall den Hund in eine geschlossene Hundebox im Auto setzen oder legen. Durch das Hecheln des Hundes und der Verdunstung des Wassers aus dem nassen Fell, kann es in der Hundebox wie in einer Sauna zu einem Hitzestau kommen, was die Situation weiter verschlechtert. Wenn möglich, den Hund auch beim Transport weiter intensiv betreuen. Kühlen Sie das Tier mit feuchten Handtüchern, bieten Sie Wasser an. Achten Sie beim Transport auf genügend Luftzirkulation (Fenster auf).

Ist der Hund nicht mehr bei Bewusstsein?

- Legen Sie das Tier in Seitenlage

- Überstrecken Sie den Kopf nach vorne und oben

- Ziehen Sie die Zunge des Hundes heraus

- mit nassen Tüchern abdecken und sofort zum Tierarzt bringen

Warum ist es wichtig, den Hund, auch wenn er sich durch Ihre Erste- Hilfe-Maßnahmen augenscheinlich wieder etwas stabilisiert hat, trotzdem zum Tierarzt zu bringen? Die allermeisten Hunde benötigen bei einem Hitzschlag dringend Infusionen und gegebenenfalls weitere Medikamente. Zur Überprüfung der Organfunktionen sollte in jedem Fall eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Es kann zu Komplikationen wie Blutgerinnungsstörungen, Nierenschäden und Hirnödem kommen. Daher ist es besonders wichtig, dass der Hund in den ersten 24-48 Stunden intensiv tierärztlich überwacht wird.

Vorbeugen

- verlegen Sie die Spaziergänge in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden

- meiden Sie die Mittags- und Nachmittagshitze

- vermeiden Sie Transporte in Autos ohne Klimaanlage

- selbst Fahrten in klimatisierten Fahrzeugen in der Mittags- oder Nachmittagshitze nur wenn unbedingt nötig

- nehmen Sie immer genügend Wasser mit, damit ihr Hund zwischendurch ausreichend trinken kann

- Scheren Sie Hunde mit langem, dichten Fell in den Sommermonaten

Und lassen Sie Ihren Hund niemals im Sommer im Auto zurück. Nicht „mal eben kurz“, auch nicht im Schatten, auch nicht „für 5 Minuten“,gar nicht! Und bitte bedenken Sie: Die Gefahr für Ihren Hund einen Hitzschlag im in der Sonne geparkten Auto zu erleiden beschränkt sich keinesfalls nur auf die Sommermonate. In einer Studie aus Deutschland zum Vorkommen von Hitzschlag bei Hunden wurde klar festgestellt, dass die Erkrankung Hitzschlag bereits in den Frühlingsmonaten April und Mai auftritt. Denn bereits im Frühling ist die Intensität der Sonnenstrahlung ausreichend, um das Auto für den Hund zur Hitzefalle werden zu lassen.

LiteraturBruchim Y, Klement E, Saragusty J, Finkeilstein E, Kass P, Aroch I (2006): Heat stroke in dogs: A retrospectivestudy of 54 cases (1999-2004) and analysis of risk factors for death. J Vet Intern Med. 20(1):38-46.Bruchim Y, Loeb E, Saragustay J, Aroch I (2009): Pathological findings in dogs with fatal heatstroke. J CompPathol 140:97-104Drobath KJ, Macintire DK (1996): Heat induced illness in dogs: 42 cases (1976-1993). J Am Vet Med Assoc209:1894-99.Grundstein A, Meentemeyer V, Dowd J (2009): Maximum vehicle cabin temperatures under differentmeteorological conditions. Int J Biometeorol 53 (3):255-61.Hemmelgarn C, Gannon K (2013): Heatstroke: clinical signs, diagnosis, treatment and prognosis. CompendContin Educ Vet 35(7):E3.Hemmelgarn C, Gannon K (2013): Heatstroke: thermoregulation, pathophysiology and predisposing factors.Compend Contin Educ Vet 35(7):E4.Sucholeiki R (2005): Heatstroke. Semin Neurol 25(3):307-14.Teichmann S, Turković V, Dörfelt R (2014): Heatstroke in dogs in southern Germany. A retrospective study over a5.5-year period. Tierärztl Praxis Kleintiere 42:213-22.

Die Theorie des Kreistrainings: "Jetzt passt mal gut auf, wir laufen jetzt folgendermaßen ..."

Herzlichen Dank an Therese und Winfried für dieses Bild von Descartes.